Nachtbaden

Da gleiten sie, zeitlos still, dahin.

Auf leuchtend grünem Wasserspiegelgrund,
schwebend im Dunkel der Nacht.

Köpfe, Regierungssitze, Befehlszentralen, Kontrollzentren
Ihres sicheren Grundes beraubt.

Hilflos elegant,
berührend still.

Menschenkopfschwäne

Wie wohl sähe unsere Welt aus,
fänden wichtige Treffen,

grosse Ansprachen,
politische Debatten
Gewassert statt?

Menschenkopfschwäne

Gewasserte Macht,
im Gleiten fragil gewaltlos unterwegs,
Zueinander,

driftend ungenau,
ausgesetzt im Wollen,
der stillen Kraft des Wassers,
die keine schnellen Bewegungen duldet.

Alles gedämpft auf das erträgliche Mass.

– Hannah Marquis, Nachtbaden in der Therme Vals, 11. Januar 2009

An mein Kind

Gute und schlechte Zeiten,
diese und andere Zeiten,
sie kommen,

sie gehen,
das Jetzt ist.

So viele Zeiten her, dass ich deinen Körper geboren habe.
Viele Jetzts, randvoll mit Hegen und Pflegen.

Blühendes, Leichtes, Beschwerliches und viel Freudiges,
alles erfüllt mit lebendigem Sein.

Dieser damals geborene Körper ist ganz zu deinem Körper geworden.
Aus meiner Hand hoffentlich nur das Gute, wuchs er Tag für Tag und
wurde zu Dir,

ganz zu Dir.

Längst schon sorgt das Leben für dich, nicht mehr durch mich,
aber durch die Vielfalt der Liebe und der Herausforderung selber.

Ich begrüsse diese Fülle und ziehe mich dankbar und erfüllt zurück.

– Hannah Marquis, anlässlich der Geburt von Aaron, meinem kleinen Enkel, Februar 2021

Entstehen und Vergehen

Bezaubernd und kristallfarben,
glitzern mir die Tautropfen aus der morgendlichen Wiese entgegen.

Wasser und Licht, das sich darin bricht,
mehr braucht es nicht,
für die absolute Schönheit meines Morgens.

Menschen die grausame Entscheidungen treffen,
mehr braucht es nicht,
für die absolute Zerstörung meines Lebens.

Luftblasen,
sie treiben auf dem Bergbach talwärts,
sammeln sich, im Kreise um sich selber sich drehend,
unter den grösseren Steinen,
werden sie zu Wirbeln aus Luftblasen.

Dort drehen und drehen und drehen sie sich,
um sich selber und einander.

Luftblasen tanzend im Kreise sich drehend.
Jede hat ihre eigene Zeitspanne,
bis ihre Oberfläche sich zu sehr dehnt,
und dem Drehen um sich selber und einander ein Ende setzt.

Danach fliesst der Bergbach immer noch talwärts.
Um die grösseren Steine bilden sich immer noch Wirbel,
jetzt nur noch aus fliessendem Wasser,
das gluckst und gurgelt,
und mit seiner Musik meine glückliche Seele erfreut.

– Hannah Marquis, 7.-14. März 2026, Beatenberg